Funk

CQ DX, CQ DX…

JS8Call-Digimode über 11m.
Digitalbetrieb per JS8Call als Digimode auf dem 11m-Band der oberen Kurzwelle: nicht nur Computer kommunizieren untereinander, sondern auch Menschen per Funk-Chat und per Sprache.
Laptop mit Software, Funkgerät, Antenne und 12V-Stromquelle. Mehr braucht man nicht und man erreicht ganz Europa.

Also beschloss der liebe Gott, dass im Mensch' was funken muss… –
Die Kurzwelle

Der Herr hat, als er schon am ersten Tage die Erde und am sechsten Tag den Menschen erschuf, uns in der Welt, in die er uns pflanzte, eine wunderbare Naturressource mitgegeben, die in dieser Art aufgrund ihrer besonderen Atmosphäre nur hier auf der Erde zu nutzen möglich ist: im Spektrum der elektromagnetischen Wellen von circa drei bis dreißig Megahertz gelegen, werden sie durch die Ionosphäre unseres Planeten wie in einem Brillenglas in einigen hundert Kilometern Höhe umgebogen und, wenn die Brechung ausreichend ist, zur Erde zurückgeworfen: die kurzen Wellen.
Schon in der Frühzeit der Funktechnik im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert hatte man ihr Potential erkannt, ermöglichen sie doch, dass man mit nichts weiterem, als einem Funkgerät mitsamt einer Stromquelle, einer Antenne und etwas Know-how im nu eine Verbindung in die ganze Welt wie von Zauberhand herstellen kann, ohne, dass dafür viel Aufwand betrieben oder gar allzuviel Energie aufgebracht werden müsste. Mit gerade mal 10W Leistung schafft man es bei entsprechenden Bedingungen, wie in einem kleinen privaten Raumfahrtprojekt, tausende Kilometer in Lichtgeschwindigkeit mit Umweg über den Weltraum zu überbrücken und Menschen zueinander finden zu lassen, ohne, dass sie sich auch nur einen Millimeter vom Fleck bewegen mussten: ob nun intendiert oder unbeabsichtigt: die HF geht seltsame Wege
Und für all diejenigen, die an Minderwertigkeitskomplexen leiden, gibt es noch eine tröstliche Hoffnung obendrauf: wenn die ausgesandten Funkwellen mit der eigenen aufmodulierten Stimme nicht so zurückgeworfen werden, dass sie die Erde wieder erreichen, gehen sie ins Weltenall. Für immer. Dort breiten sich dann in dieselbe Richtung, in die sie hinrefraktiert worden sind, bis in alle Ewigkeit aus. Insofern bleibt dann von einem immer noch etwas post mortem orbis übrig, das „ewig“ währt – zumindest solange, bis sich der Chef nicht überlegt, mit dieser Welt schluss zu machen.

Freilich gibt es neben der Kurzwelle auch noch andere Frequenzbereiche, die ihre berechtigte Nutzung erfahren. Aber in Punkto Reichweite und Effizienz ist sie auf unserer Erde unschlagbar. Sie steht in völligem Kontrast zur überbordenden Technikgläubigkeit des ausgehenden zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts. Und, da sie fasst nicht abschottbar ist, ist ihre geschickte Nutzung eine Gefahr für alle Diktatoren dieser Welt, die versuchen, den Informationsfluss ihrer Propaganda an die eigene Bevölkerung in ihrer Hand zu halten, indem sie die Informationskanäle kontrollieren und ein Auge auf ihre Sender haben. Ebenso ist sie eine Gefahr für die Tech-Bosse dieser Welt, die als Plutokraten den von ihnen mit ihren Mitteln geschaffenen und genutzten Informationsraum selbst in Demokratien nach ihrem Gusto zu manipulieren suchen. Darum stellt die Kurzwelle eine gottgegebene Kommunikationsalternative dar, die einen krassen Gegensatz zur mehr oder minder proprietären Internetwelt von heute bietet, welche von einigen wenigen beherrscht wird, um – teilweise jedenfalls – die vielen unter ihre wie auch immer geartete Kontrolle zu bringen und dort zu halten.

…und der Mensch, dass er senden muss. –
Funken als Kommunikation

Das Funken ist eine wunderbare Kommunikationsmethode. Es ermöglicht drahtlosen, fasst grenzenlosen Kontakt quasi zum Nulltarif – von den benötigten Gerätschaften und der Elektrizität mal abgesehen. Abseits des Mobiltelephons, das als Endstufe moderner Funktechnik die dahinter liegenden Prinzipien vor dem Benutzer sehr so verkapselt und vor ihm versteckt, geht diese Erfindung doch auf Grundlagenforschungen zurück, die noch ins neunzehnte Jahrhundert zurück reichen. Hier könnte die Geschichte schon zu Ende sein. Doch der Möglichkeiten abseits des Handys sind mehr:
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und als die Coronapandemie Anfang des Jahres 2020 über uns hereinbrach, waren wir alle zu einer sehr isolierten Lebensweise genötigt. So fing ich an, dem alten Interesse, das ich noch aus Kindheitstagen mitbrachte, aber nie wirklich fruchtbringend kultivierte, zu neuem Leben zu verhelfen: den CB-Funk: einer (analogen) Funkmethode von Antenne zu Antenne, ohne irgendwelche Hindernisse oder Infrastruktur. Da wir durch die Coronaschutzmaßnahmen alle in die physische Vereinsamung gezwungen waren, war das Funken eine willkommene Abwechslung „coronakonform“ mit anderen, vorher unbekannten Menschen, in Kontakt zu treten. Damit ging's los. Aus dieser Initialzündung ist eine neue Leidenschaft entbrannt, die ich in diesen überhasteten Zeiten nur teilen kann: gewiss nicht als alternatives Evangelium, sondern als Bereicherung in einer Welt der verleiteten Entfremdung durch Technik. Wer auf derselben Welle ist, ist nicht nur sprichwörtlich, sondern wortwörtlich mit einander verbunden. Und man muss schon Disziplin mitbringen, dem anderen solange zuzuhören, bis er ausgeredet hat. Denn sprechen kann immer nur einer. Sonst versteht niemand etwas. Und das macht die besondere Diskussionskultur aus, die auf der »QRG«, wie man die Sende- und Empfangsfrequenz auch nennt, herrscht. Davon kann sich die restliche Welt noch etwas abschneiden.
Der Funk eröffnet einen wunderbaren Raum der Technikbegeisterung freien Lauf zu lassen, dazuzulernen und Grenzen geistiger, kultureller, wie physischer Art zu überwinden. In der intellektuellen Nachfolge Guglielmo Marconis seinen praktischen Erfindungen nachzuspüren ist wirklich spannend. Funkamateure auf der ganzen Welt frönen einem wirklich phantastischen Hobby, das in seiner Vielfalt an Ausdrucksformen nicht nur als Kulturtechnik, sondern in gewisser Weise auch als Kunst, seines gleichen sucht.
So habe ich wunderbare Menschen kennengelernt, die mir viel Wissen vermittelt haben und deren Techniken ich nutzen konnte, sodass ich wiederum auf Giganten aufgebaut habe. So habe auch ich meine teils angestaubten Programmierfähigkeiten wieder aktiviert und meinen Beitrag dazu geleistet, der Gemeinschaft etwas zurück zu geben, was über meine Person als Freund und Helfer hinaus geht. So finden Sie in der Funk-Rubrik meiner Software-Seite einige Projekte, die aus der Beschäftigung mit dieser Funkwelt resultierten und die ich der Welt gerne feilbieten möchte, sodass andere wiederum etwas damit (als Basis) anfangen können.

SP3RN – der Sendebewusste

Maximilian Kolbe: Der Franziskaner-Minoriten-Pater ging bekanntlicherweise in Auschwitz ins Martyrium. Weniger bekannt ist, dass der heilige Pater Maximilian auch Funkamateur war. So verbirgt sich hinter der kryptischen Buchstabenfolge der Überschrift das Funkamateurrufzeichen dieses besonderen Mannes, von dem die meisten zwar schon einmal gehört oder wenigstens auf Straßenschildern gelesen, dessen Wirken aber wohl nur die wenigsten nachvollzogen haben: zeitlebens setzte er, wie der Apostel Paulus fasst 2000 Jahre zuvor, auf modernste Techniken zur Verbreitung der frohen Botschaft. Folglich setzte der Hl. Maximilian auch auf den Funk. In der katholischen Kirche gilt er darum u. a. als Schutzpatron der Funker.
Wer weiß: vielleicht drehen sich die Zeiten ja wieder und man wird einer ähnlichen Tortur ausgesetzt, wie Kolbe.

Heiliger Maximilian, bitte für uns!

Radio Vatican – Senden im Auftrag des Herrn

Auch, wenn man der Kirche gerne andichtet, angestaubt und ewiggestrig zu sein, war sie doch, was Medien anbelangte, immer auf der Höhe der Zeit. Mit Radio Vatican hatte sie seit 1931 sogar einen eigenen Mittelwellensender, der in seiner Ursprungsfassung noch vom besagten Funkpionier Guglielmo Marconi höchstselbst eingerichtet worden war. Bald einhundert Jahre schon sendet die Kirche in alle Welt und seit 1957 aus Santa Maria di Galeria auch auf der Kurzwelle und bewahrt sich damit die oben beschriebene Unabhängigkeit von technischen Einflussnahmen, gepaart mit – für ein Unternehmen wie die Kirche im Anspruch selbstverständlich – weltumspannender Reichweite.
Viele Gegenden der Welt sind auch in den Zwanzigerjahren des einundzwanzigsten Jahrhunderts noch so abgelegen, dass außer Kurzwellenfunk als Empfangsmöglichkeit kaum eine unabhängige, vertrauenswürdige Informationsquelle übrig bleibt. Andere sind, wie Nordkorea, China oder das talibanische Afghanistan so abgeschottet und/oder überwacht, dass Kommunikation auf den regulären Kanälen der modernen Welt zu gefährlich für eine Verbindungshaltung ist. Darum reaktivierte nach der Machtübernahme der Taliban in Kabul der Deutschlandfunk 2021 sein Kurzwellenprogramm für das gescholtene Land und sendet nunmehr wieder von Europa aus gen Osten auf Persisch und Paschtu. Wegen des Angriffs- und Vernichtungskriegs Moskowiens gegen die Ukraine und seine Bevölkerung schweigen aus Sicherheitsgründen die meisten ukrainischen Mittel- und Kurzwellensender. Für die Menschen in der besetzten Gebieten hilft da mittlerweile die BBC aus den Informationsfluss vermittels der Kurzwelle aufrecht zu erhalten.
Man sieht, die Kirche ist am Puls der Zeit – zeitlos.

SOS, CQD, Mayday… – der Notfunk

Durch die Erfindung der Funktechnik war es nunmehr möglich, Schiffe, die zuvor quasi mutterseelenallein auf den Meeren trieben, mit Kommunikationsmitteln auszustatten, um im Falle des Falles rasch Hilfe herbeiordern zu können. Denn bisher war die Sicherheitszone auf die unmittelbaren Küstengewässer beschränkt, von denen man mit Fernrohren von Leuchttürmen aus einige dutzend Kilometer überblicken konnte. Und so war die Hochseeschifffahrt der erste Bereich, der Marconis Erfindung für sich entdeckte und zu nutzen wusste. Der Marconi war ein cleverer Geschäftsmann und verkaufte seine Erfindungen nicht, sondern vermietete seine Dienstleistung Funktelegraphie im Gesamtpaket von Anlagen und Personal ganz im modernen Sinne von Hardware as a service den Reedereien, was ihn zu einem reichen Mann machte. Die Nachrichten waren damals nur per Morsecode übertragbar. Krude, aber es funktionierte.
Das wirkliche Sicherheitspotential war aber – obwohl angelegt – nicht von den meisten Verantwortlichen der damaligen Zeit erkannt worden. Und so gab es um die Jahrhundertwende keine festen Horchzeiten oder echte Konventionen, wie im Notfalle zu verfahren sei oder gar, wie man auf einer stark genutzten Frequenz auf sich aufmerksam machen konnte, um andere Stationen zur Ruhe aufzufordern, um seinen eigenen Notruf absetzen zu können. Im Gegenteil gab es aus Opportunitätsgründen sogar die Anweisung an die Funker Nachrichten von konkurrierenden Anbietern wie der deutschen Telefunken – ja, da kommt der Firmenname tatsächlich her – nicht zu bearbeiten. Es sollte nicht lange dauern, dass sich das änderte und die ersten Schiffe in Seenot gerieten, wo sich das System bewähren sollte. Das Titanic-Unglück von 1912 offenbarte endgültig die Notwendigkeit von einheitlichen Standards und verhalf der Technik zum endgültigen Durchbruch. Zwar hatten die Marinen schon ihr Potential erkannt, wodurch man ganze Flotten im Nu um den Globus verlegen konnte, ohne, dass man Brieftauben irgendwo hin schickt. Doch im zivilen Berereich dauerte es einige Jahre länger. Unzählige Leben wurden durch die verpflichtende Ausstattung von Schiffen mit Funkgeräten und durch deren Nutzung gerettet.

Der Notfunk ist heute zu einem festen Konzept geworden. So waren es Funkamateure, die mit ihrer autarken Ausrüstung früher schon und heute wieder, wie zuletzt bei dem Ahrhochwasser 2021, die gekappten Verbindungen in die überfluteten Täler aufrecht erhielten, wo die ach so moderne digitale Behördenfunktechnik ohne Backupsysteme und Notstromversorgung kläglich versagte – von Telephon und Internet ganz zu schweigen.
Resilienz will gelernt sein. Und das lernt man unter anderem durch Beschäftigung mit dieser Technik, wie man mit seinen knappen Reserven wie Batteriestrom sinnvoll umgeht. Insofern ist der als Hobby ausgeführte Dienst, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint, ein aktiver Beitrag zur Katastrophen- und Daseinsvorsorge, wenn hier mal die Lichter ausgehen.

Quo vadis, humanus?

Dabei scheint sich heute jedoch das alte Muster von damals zu wiederholen: wenn zwar im Katastrophengebiet, wie geschehen, jemand Not ruft, aber in den noch intakten Empfangsgebieten der Empfang durch Störsignale verunmöglicht wird, kostet das potentiell Menschenleben. Der unreflektierte Einsatz etwa von einfachen Power-LAN-Adaptern im eigenen Haus sendet so breitbandige Störungen in die Nachbarschaft, dass die Frequenzen wahrlich zugeknattert werden und man nichts mehr versteht. Darum ist es notwendig, dass wir uns, wie die Verantwortlichen von damals, bewusst werden, dass aus dem unbedarften Plug and Play im Extremfall ein Plug and Die werden kann, nur, weil jemand in der Nachbarschaft anstatt eines WLAN-Repeaters sich so ein Steckdosen-LAN angeschafft hat, wodurch die gesamte Hauselektrik inkl. Toaster und Rasierer als riesige hausgroße Kurzwellenantenne auf Sendung geht.
Der moderne Smartphone-Mensch ist sich der physikalischen Grundlagen der Technik, die er einsetzt und der Auswirkungen ihrer Nutzung, noch nicht einmal mehr in Ansätzen bewusst – ja, er ist zum dummen Konsumenten verkommen, der nur kaufen soll und nicht fragen, schon gar nicht hinterfragen und erst recht nicht wissen, weil er sich sonst womöglich für ein für ihn besseres Produkt entschieden hätte – oder gar nichts gekauft. Aufklärung unwerünscht. Mündigkeit unerwünscht.
Es sei am Rande angemerkt: Die Kirche nennt dieses sich-Bewusst-Machen, wofür man was tut, im Übrigen Keuschheit. Das hat wenig mit Verklemmtheit zu tun. Drum ist es nicht zu schade, über das, was man tut, ein paar Gedanken zu verlieren.

Ist bei Ihnen der Funke übergesprungen?

Wenn Sie mich anfunken wollen, finden Sie in der Kontakte-Rubrik meiner Impressum-Seite die notwendigen Informationen dazu. Ich freue mich auf Sie!

PS:

Ich kann Ihnen nur eins empfehlen: seien Sie offen für neues altes! Es lohnt sich!

PPS:

Wer Angst hat vor Radiowellen und anderer Strahlung: Sie sollten besser das Licht ausmachen und sofort die Rollladen runter ziehen! Denn hinter dem sichtaren Licht verbirgt sich Petahertzstrahlung, die im Spektrum nur wenige Nanometer von UV- und Röntgenstrahlung entfernt liegt. Setzen Sie sich darum besser Ihren Aluhut auf und verstecken Sie sich, wenn Sie nicht bald als Ganzkörpermelanom aufwachen wollen! – Spaß beiseite: Radiowellen gehören zur nichtionisierenden Strahlung. Ein Abendspaziergang im Schatten ist da aus radiologischer Sicht gefährlicher, als Ihr Handy.
Im Übrigen: Ihre Heizung strahlt auch, genauso, wie Sie: nur eben infrarot und damit aus elektromagnetischer Sicht „heller“ als Ihr Kleinfunkgerät, das Sie 24/7 ständig am Leibe tragen.

Eine UKW-Antenne im Abendfeuer.
Eine UKW-Antenne im Abendfeuer.


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